Thursday, June 26, 2014

Argumentar con relatos. Narrativismo y Teoría de la Argumentación. Casuística literaria y casuística argumentativa


Coralie Rippl
Erzählen als Argumentationsspiel : Heinrich Kaufringers Fallkonstruktionen zwischen Rhetorik, Recht und literarischer Stofftradition
Francke (Seroe: Bibliotheca Germanica: 61), Tübingen, 2014, xi, 390 pp.
ISBN: 978-3772085284



Unerhörtes Erzählen situiert sich, das zeigen aktuell etwa Ferdinand von Schirachs „Verbrechen“, im Bereich zwischen Recht und Literatur. Die außergewöhnlichen ‚Fallverhandlungen’ des Heinrich Kaufringer sind ein frühes Phänomen literarischer Kasuistik. Mit diesem Ansatz wird die kontrovers diskutierte Frage nach dem ‚Sinn’ seiner ‚grotesken’ Texte neu beleuchtet. Die Arbeit nimmt die Erzählpoetik Kaufringers von zwei Seiten in den Blick: Komparatistische Modellanalysen präsentieren ausgewählte Mären im Feld europäischer Novellistik (lateinische Exemplarik bis Boccaccio), zugleich wird eine historische Kontextualisierung mit rhetorischen und juridischen Traditionen der Antike und des Mittelalters vorgenommen. Dabei zeigt sich, dass Zuspitzung und Irritation Effekte eines an Problempotentialen besonders interessierten Erzählens sind. Ein kasuistischer Zugriff auf die materiae lässt Kaufringers Erzählungen als Argumentationsspiele verständlich werden, die Meinungen und Standpunkte verhandeln, wobei der diskursive Vorgang eine Lust am Erzählen generiert, der es auf die Verbindlichkeit einer Aussage nicht mehr ankommt. Die Interferenzen zwischen juristischem und literarischem Diskurs sind es, die ein solches ‚Erzählen von Sonderfällen’ charakterisieren und das Erzählen selbst als Sonderfall spezifisch machen.

Inhalt

Vorwort XI

I Problemstellung
1 Heinrich Kaufringer als Sonderfall
2 3 Der Kasus als Erzählstruktur im Spannungsfeld von Recht
und Rhetorik
4 Zum europäischen Kontext: Komparatistische Perspektiven
II Modellanalysen
1 Die unschuldige Mörderin - Das genus iudiciale als Struktur- und
Erzählmodell
1.1 Ein Sonderfall in jeglicher Hinsicht
1.2 Kasuistisches Erzählen - Ein Blick auf die Stofftradition
1.3 Die Schlüsselrolle des Erzählers
1.4 Zu einer Forschungsdebatte: oder Individualität»
des Erzählens?
1.4.1 Tabellarische Übersicht zum Vergleich der
Paralleltexte
1.5 Von der Rechtslegende zum Kasus
1.6 Rhetorische Grundlagen: Das Gerichtsredenschema 60
1.7 Die Unschuldige Mörderin im Kontext des fünfteiligen
Gerichtsredenschemas
1.7.1 Ein strukturelles Spezifikum: Serialität
1.7.2 In Szene gesetzte argumentatio: Wechsel von prohatio
und refutatio
1.8 Konstruierte controversia
1.8.1 Die Perfektion der Details als Konstruktionsgrundlage
1.8.2 Zum Problem der Komik in der Unschuldigen
Mörderin
1.8.3 Fazit
2 Der feige Ehemann - Argumentationsexperimente und die Parodie
der controversia
2.1 Kasus und Schwank
2.2 Der Stoffkreis
2.2.1 Tabellarische Übersicht: Paralleltexte im Vergleich
2.3 Le Cocu arme aus den Cent Nouvelles nouvelles und
Kaufringers Feiger Ehemann
2.3.1 Der doppelbödige Erzählerkommentar: Ehefrau im
Zwielicht
2.3.2 Männlichkeitsdiskurs und Ständethematik: Die adlige
Männerrunde als Rahmenfiktion der Cent Nouvelles
nouvelles
2.3.3 Raum- und Situationskomik im bürgerlichen
Haushalt
2.4 Komikeffekte im Kontext der Sammlung: Die 36. Novelle aus
dem Porretane des Sabadino degli Arienti
2.5 Heinrich Bebels Fazetie II, 17
2.6 Der Erzähler klagt an: Juridifizierung des Stoffes bei Heinrich
Kaufringer
2.7 Der feige Ehemann und das (Rechts-)Sprichwort vom kleinen
Schaden
2.8 Gerichtsrhetorik in der mittelalterlichen Kleinepik - Der Fall
in Senecas Controversia 4,4
2.9 Experimentierendes Argumentieren: Das Spiel mit dem Modell
der Gerichtsrede
2.9.1 Ritter vs. Ehepaar: Wie die Struktur von probatio und
refutatio das Handlungsgeschehen aufbaut (Argumentatio I)
2.9.2 Ehefrau vs. Ehemann: Thematisierung des Falles im
Streitgespräch (Argumentatio II)
2.9.3 Erzähler vs. Protagonist: Rahmenargumentation
(Argumentatio III)
2.9.4 Zur dialektischen Gesamtkonstruktion
2.9.5 Funktionsweisen der Komik bei Kaufringer: Parodie
antiker Modelle
3 Exkurs - Wie aus dem juristischen der literarische Fall wird
4 Die Rache des Ehemannes — Konstruktion und Perspektivierung
des Kasus
4.1 Kaufringer und keine Parallelen?
4.1.1 Die lateinischen Exempel aus Jakobs von Vitry Sermones
vulgares und aus der Compilatio Singularis Exemplorum
sowie das Märe Der Zahn 151
4.1.2 Tabellenübersicht: Paralleltexte zur Rache des Ehemannes
im Vergleich
4.2 Das Exempel des Jakob von Vitry und Der Zahn
(Gruppe A)
4.3 Gebundener Erzählfall des Exempels und offene
Fallerzählung
4.4 Das Exempel aus der Compilatio Singularis Exemplorum und
Kaufringer (Gruppe B)
4.5 Konstruktion einer offenen Fallerzählung
4.5.1 Wenn Zähne zu Würfeln werden
4.5.2 Wenn ein Kastrierter seiner Geliebten die Zunge
abbeißt
4.6 Disposition des verzwickten Falles: Das literarische Strukturmuster
des Schwanks und das rhetorische Modell der argumentatio
4.7 Sonderstellung der Schlußepisode
4.7.1 peroratio - Die Rekapitulation des Falles als in der Erzählung»
4.7.2 Kasuistische Erzählstrategien: Relativierung durch
Perspektivierung
4.7.3 Rhetorik der Gewalt: Überlegungen zum Argumentationspotential
sprechender Strafen
4.7.4 läll läll lall - (K)eine komische Perspektive am Ende
4.8 Warum die Erzählerkommentierung sich selbst
4.9 Die Freilegung des Kasus bei Kaufringer
5 Der unerhörte Fall vom disputierenden Bauern - kasuistisches als
utopisches Erzählen
5.1 Eine lebensvolle Dorfgeschichte»?
5.2 Der Motivkreis (Parallelversionen)
5.2.1 Tabellarische Übersicht: Der Verklagte Bauer und seine
Parallelen
5.3 Reduktion auf das facete dictum: Das Straßburger Rätselbuch
und Bebels Historia (1,66)
5.4 Transfer des Stoffes nach Frankreich: Die Novelle aus Les
Comptes du Monde Adventureux
5.5 Rätselbehauptungen - Kaufringer und die lateinische
Predigtexemplarik
5.6 Juridifizierter Kasus, oder: Wie aus dem Predigtexempel für
rechten Glauben ein Streitfall über Gerechtigkeit wird
5.7 Das Streitgespräch im Verklagten Bauern: Geschichte als
auserzählte controversia
5.7.1 Erster Teil: Verlagerung der argumentatio von der
Figurenaktion in den Dialog
5.7.2 Zweiter Teil: Rhetorenkampf - Die status causae im
Streitgespräch zwischen Bauer und Pfarrer
5.7.3 Dritter Teil: Zwischen Prozeßdrama und Rätselspiel -Gericht und Geselligkeit
5.8 Das schwankhafte Erzählmuster vom Sieg des kleinen Mannes:
Der Bauer als moralischer Held bei Kaufringer
5.9 Streitgespräch des Erzählers mit sich selbst: Kasusform und Utopie

III Conclusio: Kaufringers Erzählprofil
1 Poetologische Bedeutung der
2 Die Publikumsadressierung der Gerichtsszene und die Selbstreferenz
des Textes
3 Kasus und Novelle - Zur Gattungsfrage
3.1 Gerichtsgemeinschaft und Erzählgemeinschaft
3.2 Die Novelle als und Kaufringers
3.3 Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar - Dialogstruktur und
Perspektivenpluralisierung
4 Kasus und Schwank: Überlegungen zur Komik
5 Kasuistik in der Kaufringersammlung und das Spiel mit dem
Autor-Erzähler

IV Resümee und Ausblick

V Anhang
1. Schemata
1.1 Strukturschema Die unschuldige Mörderin
1.2 Strukturschema Der feige Ehemann
1.3 Strukturschema Die Rache des Ehemannes
1.4 Strukturschema Der verklagte Bauer
2 Texte und Ubersetzungen
2.1 Heinrich Kaufringers Der verklagte Bauer. Text und Ubersetzung
(mhd./nhd.)
2.1.1 Stellenkommentar
2.2 Das Predigtexempel Gott tut, was ich will. Text und Ubersetzung
(lat./nhd.)
3 Literaturverzeichnis
3.1 Abkürzungen
3.2 lextausgaben und Quellen
3.3 Forschungsliteratur


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El trabajo ahora editado se defendió como Thesis doctoral (2010/2011) en la Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen-Nürnberg.

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